|
Stellungnahme zum Geschehen, 05.05.2010 |
|
|
|
|
Gestern und heute wurde viel in den Medien berichtet. Auch in vielen Internetforen haben sich die Leute zu Wort gemeldet. Ein paar der Berichte drängt in eine Richtung, Reporter ziehen ihre eigenen Schlüsse. Das war natürlich zu erwarten und eines habe ich auch in meiner Laufbahn als Profi gelernt, dass für ein paar Medien nicht die Wahrheit sondern der eigene Profit das Wichtigste ist. Wie sie ihn erreichen, wissen sie ganz genau. Für meine guten sportlichen Leistungen habe ich nie die mediale Aufmerksamkeit bekommen, wie sie für die, von ein paar Medien bezeichneten „Skandale“, aufgebracht wurde. Am Montag nach meinem Erfolg beim 9.OMV Linz Donaumarathon hatte ich etwas weniger als 1000 Besucher auf meiner Webseite. Gestern waren es mehr als 15.000. Die überwiegende Anzahl der „Interessierten“ informiert sich anscheinend nicht über den Laufsport oder über meine Person, sondern interessiert sich nur für sogenannte „Skandalschlagzeilen“. Diese Leute werden auch schnell wieder das Interesse verlieren, da die nächsten „ Skandalschlagzeilen“ wahrscheinlich nicht allzu lang auf sich warten lassen.
Mir ist es wichtig den Leuten, die sich auch schon vorher für mich interessiert haben, meinen Fans, meine Situation und mein Handeln zu erklären. Ich stehe nach wie vor zu meiner Entscheidung, ich bereue sie nicht. Sachlich, nicht emotional betrachtet, war es sicher nicht der beste Zeitpunkt, meine schon länger in mir heranwachsende Entscheidung, den Profisport zu lassen, in diesem Moment umzusetzen. Am letzten Donnerstag war ich eben nicht sachlich und auch nicht eine kühl kalkulierende Profisportlerin- die ich eigentlich nie war- sondern die Eva, die eine emotionale Entscheidung getroffen hat.
In einigen Internetforen stellen die Leute Vergleiche zwischen normalen Berufen und Profisportlern an, aber ich denke, das kann man nicht vergleichen. Wenn ein Dienstgeber von seinem Mitarbeiter verlangt jeden Tag bekannt zu geben wo er sich nach dem Dienst aufhält, weil er ja Firmengeheimnisse verraten oder verkaufen könnte, wird der Dienstgeber ein Problem mit dem Arbeitsgesetz bekommen. Ebenso wenn er verlangt, dass die Mitarbeiter im Urlaub pro Tag eine Stunde für anfallende Fragen zur Verfügung stehen. Für die Art und Weise, wie ein paar Medien zeitweise über SportlerInnen herfallen, gibt es in der Arbeitswelt auch ein Wort - Mobbing. Man soll deshalb jetzt kein Mitleid mit ProfisportlerInnen haben, es wird ja niemand dazu gezwungen. Wenn man jedoch nicht nur für den Sport leben will, stellt man immer wieder die Sinnhaftigkeit des großen Aufwands und der vielen Einschränkungen in Frage und eben ganz besonders in jenen Momenten, in denen nicht alles rosig ist.
Ich habe auch aus der Situation gelernt und weiß, dass es sicher nicht der beste Moment für diese Entscheidung war, aber ich weiß auch, dass ich auch in Zukunft wieder emotionale Entscheidungen treffen werde, eben weil ich ein emotionaler Mensch bin.
Ich hoffe, dass meine Fans mein Handeln, meine Entscheidung verstehen, denn das ist mir wichtig. Was Leute über mich denken, die sich nur für die „Skandalläuferin“ (wie ich in manchen Medien bezeichnet wurde) interessieren, hat für mich wenig Bedeutung.
Momentan habe ich turbulente Zeiten. Wenn wieder Ruhe eingekehrt ist, beantworte ich eure Post. Ich danke für euer Verständnis.
Eure Eva
|
|
Genug vom Leistungssport, 03.05.2010 |
|
|
|
|
Ich trete hiermit als Leistungssportlerin zurück.
Vor fast 15 Jahren habe ich mit dem Laufen begonnen, ich habe das Laufen lieben gelernt, nicht mit dem Gedanken Profisportlerin zu werden, Rekorde zu laufen oder sogar an Olympischen Spielen teilzunehmen. Der Sport hatte damals für mich einen andere Bedeutung, ich hatte einfach Freude am Laufen, Freude an der Bewegung. Durch mein Talent und meine Liebe zum Laufen hat sich der Weg zur Profisportlerin ergeben. Ende 2007 habe ich die Entscheidung getroffen, Profi zu werden. Die Entscheidung ist mir damals nicht leicht gefallen, für mich war und ist das wichtigste meine Familie und die Menschen die mir nahe stehen und genau diese haben mich bestärkt und unterstützt es zu tun. In meinen 2 Jahren als Profi hatte ich Höhen und Tiefen. Es ist ein tolles Gefühl einen Rekord zu laufen oder an Olympischen spielen teilnehmen zu dürfen, aber für mich nicht besser als einen schöner Tag mit meinem Sohn Kevin zu verbringen. Man lernt auch schnell dass der Spitzensport nichts anderes als ein Gewinn orientiertes Business ist, wo 99% der Sportler nur die Arbeiter sind. Es gibt viele Neider und wenig Geld. Staatliche Förderungen als Österreichische LäuferIn sind so gut wie gar nicht vorhanden, nur Regeln, den man sich unterordnen muss. Ich hatte in den 2 Jahren schön öfters den Entschluss gefasst aufzuhören, doch mein Team bestärkte mich weiter zumachen. Sie haben es dann doch immer wieder geschafft mich zu motivieren und zu unterstützen. Aber jetzt ist es für mich genug. Ich bin es leid ständig darum zu kämpfen genügend Sponsoren aufzutreiben um alles finanzieren zu können, verdient habe ich nichts in meiner Zeit als Profi. Ich bin es leid meine Familie und meine Freunde immer hinten anzustellen zu müssen. Ich bin es leid jeden Tag anzugeben wo ich bin was ich mache und eine Stunde meines Tages zu warten ob die Dopingkontrolle kommt. Ich bin es leid.
Diese Gedanken trage ich schon lange in mir herum und die Entscheidung ist mir nie leicht gefallen, aber letzten Donnerstag in meinem Urlaub in Kroatien wo mich die Dopingkontrolle am Strand aufgespürt hat und mich vor die Entscheidung gestellt hat, nur für den Sport zu leben, oder noch zu leben, ja in diesem Moment ist es mir leicht gefallen. Ich wollte nicht die geplante Bootsfahrt mit Freunden verschieben, ich wollte einfach meinen Urlaub meinen Freizeit genießen, aber das ist als Leistungssportler nicht möglich. Ich habe die Dopingkontrolle abgebrochen, was ein klarer Regelverstoß ist und somit muss ich auch die Konsequenzen tragen. Ich stehe hinter meiner Entscheidung und ich möchte wieder dort hin zurück von wo ich her gekommen bin, zum Hobbysport, zum Gesundheitssport. Ich liebe nach wie vor das Laufen, aber ich werde die Jagd nach Sekunden nicht vermissen. Es kommt nicht auf Sekunden an, sondern auf die Freude am Sport und die Freude an der Bewegung. Ich möchte mich auch bei all´ jenen bedanken die mich in meiner Zeit als Profi unterstützt haben, mein Team, meinen Sponsoren und vor allem meinen zahlreichen Fans und ich hoffe ich kann euch auch in Zukunft noch was weiter geben nämlich das worauf es ankommt, die Liebe am Sport, die Liebe an der Bewegung, die Liebe am Laufen.
Eure Eva.
|
|
9. OMV Linz Marathon, 11.04.2010 |
|
|
|
|
Wieder ein Marathontag in meinem Leben. Niemals wird ein solcher Tag Routine. Immer wieder der selbe Ablauf, doch niemals das gleiche Gefühl- immer wieder alles neu! Mit dem Startschuss fällt der Emotionspegel auf gut erträgliches Niveau. Auch wenn bei 5 Grad Celsius nichts für mich Gewohnheit ist- ich liebe es wärmer- hatte ich mit meinem Vereinskollegen „Gerd Frick“ als Pacer gewohntes Umfeld und optimales Marathontempo vom Start weg. Ich fühlte mich sehr gut. Ab und an, wenn der Wind an exponierten Stellen Fähnchen und Becher entgegen wehte, verinnerlichte ich mir die Wetterprognosen vergangener Tage „Graupelschauer, Regenergüsse und dergleichen“ und war schlicht und einfach dankbar, dass es nicht Schlimmer kam. Nach Halbzeit, immer noch frisch und zuversichtlich, ein paar Kleidungsstücke abgelegt, und beinahe verleitet zu einer Tempoverschärfung... drückte plötzlich mein Magen. Anfangs meinte ich- aha!- Übermut kommt kurz vor dem Fall- wohl etwas zu euphorisch steigern wollen? Möglicherweise hebt sich der Magen, weil meine Laktatgrenze überschritten war? Aber... welche Worte vernahm ich von meinem Pacer? Er fragte nach einem Taschentuch! Mir war sofort klar- oh weia- das war unser Saft! Auch Gerd hatte Sehnsucht nach einem Klo. Ich wollt´ mich ja mit aller Kraft dagegen wehren, doch mit jedem Schritt schüttelte sich mehr und mehr der Druck in mir hoch, ich sehnte mich nach einer Toilette... 5km lang suchte ich danach... dann meinte Gerd in seinem entzückenden südtiroler Dialekt: „Eva mir hamma 3 Minuten plus zum Limit, wir können auf´s Klo gehen, gemma?“ Somit war er auch schon in einem Busch verschwunden. Huch, ich lief mal weiter... Polizeimotorrad, ORF Kameramotorrad, Vorausfahrzeug, ÖLV-Kommission am Bike, sonstiges Publikum auf der Strecke... auf einmal fühlte ich mich sooooo sehr beobachtet! Mein Betreuer schrie nur: „Geh gleich neben der Straße!“ NEIN! Das wollte ich auf gar keinen Fall. Meine Rettung: Sicht voraus 2 Dixi-Boxen! Ich winkte etwas disponiert für die nächsten Sekunden :-) die Kameras weg und kam völlig erleichtert wieder zurück auf die Strecke. Seit meinem Problem hatte ich keinen Überblick mehr wo und in welchen Abständen meine Kilometermarkierungen vorbeizogen. Meine letzten 10 Kilometer verliefen wieder nach Plan. Ich wusste, das Limit geht sich noch aus. Als ich in die Innenstadt einbog, die letzten Kilometer anriss- lief ich wieder in meine Marathonwelt. Ich erinnere mich an meine Jahre zuvor. Da war wieder alles gleich- melancholisch schaukelt sich hier von Jahr zu Jahr meine Gefühlswelt höher auf. Das Publikum, die Beschallung, der Sprecher... Stimmung die tief unter die Haut geht. In diesen Momenten ist man sich wieder absolut sicher: Marathon, und immer wieder Marathon! Nach 2h 34min. und 10sec. hatte ich die Zielline überquert. Abenteuerlich mit glimpflichem Ausgang würde ich die Herausforderung des heutigen Tages beschreiben. Die Norm für die Europameisterschaft von 2h37min. habe ich heute unterboten. Jetzt bleibt bis 16.Mai dieses Jahres Zeit, um zu entscheiden, ob ein Start am 31.Juli in Barcelona anstrebenswert ist.
Hier geht es zu den Fotos...
|
|
Der Tag vorm Marathon, 10.04.2010 |
|
|
|
|
Morgen ist der Tag auf den ich 12 Wochen hin trainiert habe, aber heute habe ich noch einige Termine gehabt ;). Nur ausruhen und die Beine hoch legen war nicht drinnen. :). Willst du wissen wie ich den heutigen Tag verbracht habe? ...Also nach dem ich nochmal ein wenig ausgeschlafen und gegen 9:00 gefrühstückt habe ist es so richtig los gegangen. Die Fotogalerie führt dich durch meinen Tag. |
|
|